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    KZ GEDENKSTÄTTE LOIBL NORD

     

    Entwerfen 4 | Institut für Gebäudelehre
    2013 | TU Graz

  • 1 KZ GEDENKSTÄTTE

  • Den Insassen und Opfern des Konzentrationslagers am Loiblpass gilt es nach Jahrzehnten des Wegschauens endlich einen würdigen Ort des Gedenkens zu schaffen. Dieser Ort solltepädagogischen Wert haben und einen würdevollen und bleibenden Eindruck bei den Besuchern hinterlassen.

    Von zentraler Bedeutung war es, das Ausmaß des Lagers zu zeigen, aber auch die anonyme Masse der Häftlinge als persönliche Einzelschicksale darzustellen. Um nicht neue Grenzen zu schaffen, wird die Lagerfläche mit stabförmigen Stehlen in einem strengen Raster angefüllt, die in ihrer Anzahl der Zahl der Insassen entsprechen. Nur die Grundflächen der sich im Lager befindlichen Baracken werden freigespielt und bilden so einen Negativraum. Die Überreste der Betonfundamente sollen frei sichtbar und erlebbar belassen werden. Die schlanken 6 Meter hohen Stehlen bestehen aus Schwarzstahl und sind oben mit Lichtbändern versehen.

    Der Tunnelvorplatz wird von Altlasten befreit und der Blick auf die schwarze, kantige Stahlröhre freigemacht, die aus dem Gebirgswald hervorbricht und so den Besucher aufnimmt. Dieses stark vertikal dominierte Element bringt ihn schließlich isoliert auf dem streng geraden Weg bis zum Lager. Durch die raumhohen Einschlitzungen der massiv anmutenden Tunnelwand und die Abmessungen und Abstände im
    Tunnel wird man bereits auf den Rhythmus des Stehlenfeldes eingestimmt. Während des Aufstiegs im meditativen Raum wird der Alltag abgelegt, Spannung und Stimmung aufgebaut.

    Am Ende des schmalen, geschlossenen Aufgangs tritt der Besucher direkt ins Freie und steht bereits im Stehlenwald. Sich frei durch das ehemalige Lager bewegend kann er nun die berührende Installation
    inmitten der eindrucksvollen Bergkulisse erleben und die Kraft und Bedeutsamkeit des Ortes spüren.

     

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    Es bietet sich jedoch auch die Möglichkeit, kurz vor dem Hinaustreten aus dem Tunnel, über eine bedrückend schmale Treppe, die sich in der Tunnelwand befindet, nach oben zu steigen und die gesamte Lagerfläche zu überblicken und zu verstehen. Die Tunnelwand sowie die Tunneldecke verbreitert sich vom Eingang bis hin zum Ausgang stetig, sodass die Röhre sich von einem zarten und schmalen Element zu einem kraftvollen und schweren Körper entwickelt.

    Seitlich an der oberen Tunnelöffnung ist ein spangenartiges Gebäude angeordnet, das den Blick auf das ehemalige Lager und das Bergmassiv lenkt und den SS-Bereich des Lagers den Rücken zuwendet. Dort sind funktionale Bereiche untergebracht, wie Seminar- und Lagerräume, Sanitärbereiche und einen überdeckten Freibereich. So wird das abhalten von pädagogisch wertvollen Workshops und Vorträgen, sowie auch Gedenkveranstaltungen ermöglicht. Zudem werden Relikte aus dem Lager von innen und außen sichtbar ausgestellt.

    Das ganze Projekt lebt von kraftvollen und eindrucksvollen Räumen die stark mit der umliegenden Natur interagieren. Diese bleibenden Eindrücke, verbunden mit intensiver pädagogischer Aufarbeitung, mittels Workshops, Führungen oder Vorträgen, bilden hier ein nachhaltiges Gedenken, das eine angemessene und sinnvolle Aufarbeitung des Geschehenen bietet.

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